GoFelix!

Gas

So wechseln Sie den Gasanbieter

Auch wenn die Gaspreise langsamer sinken als gewünscht: Ein Wechsel des
Gasanbieters kann viel Geld sparen. Allerdings gibt es einige Dinge zu beachten.

Erdgas wird immer billiger – aber die Versorger senken kaum die Preise, so ein Gutachten, das im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen erstellt wurde. Wer sparen will, muss daher selbst tätig werden. Der Gasanbieter lässt sich im Grunde ebenso leicht wechseln wie der Stromversorger. Für Mieter ist dabei Voraussetzung, dass sie selbst Vertragspartner sind, sonst müssen sie gegebenenfalls den Vermieter zu einem Wechsel auffordern. Mittlerweile können wechselwillige Kunden unter Hunderten von Tarifen wählen. Dies kann sich durchaus lohnen. Wer in Frankfurt, Köln oder Berlin 12.000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht, zahlt laut Vergleichsportalen beim regionalen Versorger jährlich bis zu 480 Euro mehr als beim günstigsten Alternativanbieter.

Grundsätzlich ist das Wechseln via Internet unkompliziert. Alle Vergleichsportale bieten mindestens Links zu den Internet-Seiten der Versorger, zumeist aber die Möglichkeit, die entsprechenden Formulare online auszufüllen oder sich Vertragsunterlagen direkt herunterzuladen. Als wichtigste Portale gelten Verivox, Toptarif und Check24. Dieser Service ist kostenlos, weil sich die Vergleichsportale in der Regel entweder durch Werbung von Gasanbietern oder durch Vermittlungsprovisionen finanzieren. Den Übergang regeln die Anbieter unter sich.

In der Praxis ist der Wechsel jedoch weniger simpel. Wer nicht genau hinschaut und schnell einen Vertrag abschließt, kann in einem Tarif landen, der zunächst billig erscheint, es aber letztlich nicht ist. Im September testete die Stiftung Warentest Vergleichsportale, keines schnitt gut ab. Grund waren die voreingestellten Filter, durch die bei allen fünf Portalen fast keine verbraucherfreundlichen Angebote auf den ersten zehn Plätzen gelandet seien. Diese Filter sollen es eigentlich ermöglichen, der Fülle der Tarife Herr zu werden.

Denn diese sind kompliziert beschaffen. Lassen sich Arbeits- und Grundpreise noch einfach vergleichen, so wird dies schon schwieriger, wenn die allfälligen Wechselboni eingerechnet werden – ein Hauptkritikpunkt der Stiftung Warentest. Darüber hinaus sind Faktoren zu berücksichtigen, die nicht direkt mit Geld zu tun haben, zum Beispiel die Vertragsdauer. Was nützt ein heute günstiger Zwei-Jahres-Vertrag, wenn die Gaspreise weiter fallen? Wer dann noch eine lange Kündigungsfrist wählt, zahlt am Ende womöglich zu viel. Auch die Dauer der Preisgarantie will berücksichtigt sein. In Zeiten steigender Gaspreise kann ein etwas teurer Tarif mit zwölfmonatiger Preisgarantie am Ende billiger kommen.
Lockangebote erkennen

Hier sind Entscheidungen gefragt, die nicht einfach berechnet werden können. Allgemein gilt: Präsentiert sich ein Tarif als deutlich günstiger als der Durchschnitt, ist die Preisgarantie kurz, sind Kündigungsfrist und Vertragslaufzeit hingegen lang und der Bonus hoch, dann handelt es sich sehr wahrscheinlich um ein Lockangebot.

Wer nicht zum Tarifspringer werden will, fährt besser, gleich etwas mehr zu bezahlen. Ist der häufige Wechsel nicht angestrebt, lohnt es auch, beim Vergleich den Haken für die Berücksichtigung von Boni einfach einmal herauszunehmen. Dadurch fällt die Ersparnis zwar deutlich niedriger aus, doch man ist den Einmal-Effekt los. In der Praxis zeigt sich, dass Preiserhöhungen am Ende der Preisgarantiezeit häufig sind. Insofern kann man den Bonuseffekt auch durchaus mit einrechnen. Preiserhöhungen sind immer ein Grund für eine Sonderkündigung. Je nach Umfang der Erhöhung und Entwicklung der Marktpreise kann es dann anderswo billiger sein.

Wer allerdings den Bonus mit einrechnet, sollte sich ebenfalls ausrechnen, wann sich der Bonuseffekt abgenutzt hat. Das ist dann der späteste Wechselzeitpunkt. Und wem das zu kompliziert ist, der sollte den Bonus unberücksichtigt lassen. Zudem sind die Boni nicht immer simpel gestrickt: Das Vergleichsportal Verivox schließt in seinen „Richtlinien zum Verbraucherschutz“ beispielsweise Boni aus, deren Auszahlung der Energieversorger durch einseitige Handlung verhindern oder verzögern kann. Weiter müssten Boni hinreichend transparent sein. Dabei nennt das Portal explizit Boni, die sich anteilig aus den Jahresgesamtkosten errechnen, der Höhe nach jedoch durch den geschätzten Verbrauch gedeckelt sind.
Vorsicht bei Sonderabschlag, Kaution und Vorkasse

Anscheinend sind die Anbieter hier sehr erfinderisch. Da gibt es Bedingungen wie ein Vertragsverhältnis, das länger als ein Jahr besteht, Club-Mitgliedschaften oder Abnahme-Vorgaben. Manche Versorger bieten auch Reise- oder Tankgutscheine.

Vorsicht ist bei einigen besonderen Tarifbestandteilen geboten: Das Vergleichsportal Toptarif etwa rät zur Vorsicht bei Anbietern, die Sonderabschlagszahlungen verlangen. Dieser wird beim Vertragsbeginn einmalig fällig und entweder zum Ende des Vertragsverhältnisses oder mit der ersten regulären Abschlagszahlung in verrechnet. Dieses zinslose Darlehen an den Versorger kann mehrere hundert Euro betragen. Bei einer möglichen Insolvenz eines Anbieters kann der Sonderabschlag aber verloren sein.

Diese Gefahr besteht vor allem im Falle reiner Gashändler, die keine eigene Produktion besitzen und wo im Insolvenzfall die Masse fehlen kann. Bei großen Versorgern oder Stadtwerken ist diese Gefahr deutlich geringer. Ähnliches gilt für Tarife mit Vorauskasse und Kaution. Dies belastet zudem die Liquidität. Wer ein Haus zu beheizen hat, weiß, dass das im Jahr mehr als 1000 Euro kosten kann. Diese im Voraus zu bezahlen ist keine Kleinigkeit. Daher ist es ebenso ratsam, die Tarifauswahl auf monatliche oder mindestens quartalsweise Abschlagszahlung einzuschränken.
Nicht ist simpel

Wenig ratsam sind Paket-Tarife. Hier wird eine bestimmte Anzahl an Kilowattstunden zu einem günstigen Tarif eingekauft. Wer weniger verbraucht, bekommt das nicht erstattet, wer mehr verbraucht muss das aber zahlen – und meistens ist der Preis dann höher. Da der Gasverbrauch vom Wetter abhängt, kann es sehr leicht geschehen, dass sich das Geschäft nicht rechnet.

Auch mit der Preisgarantie ist es nicht so einfach. Diese wird nämlich nicht immer auf sämtliche Preisbestandteile gewährt, so dass steigende Umlagen und Abgaben weitergereicht werden können.

Insgesamt gilt also, beim Gasanbieterwechsel Umsicht walten zu lassen. Einfach den billigsten Anbieter zu wählen, ist nicht ratsam – sich einen Überblick über den Tarif und den Anbieter zu verschaffen, ist unerlässlich. Aber auch das kann sich lohnen: In Frankfurt, Köln oder Berlin sind auch unter restriktiven Ausschluss-Kriterien 200 bis 300 Euro Ersparnis drin.